Jung. Schön. Krebs.

Krebs

Sarkom, Leukämie, Brustkrebs.

In unserem Buch sprechen junge Frauen über ganz unterschiedliche Krebserkrankungen – Bianca etwa über das Ewing Sarkom oder Julia über das Osteosarkom. Beide schreiben einen Blog, darin erfahrt Ihr mehr über Klinikalltag und aktuelle Pläne. Theresa erkrankte an Leukämie, ihre Phase der Erkrankung beschreibt sie hier auf dieser Seite.
Da Brustkrebs mit zu den häufigsten Krebsformen bei Frauen gehört, haben wir dieser Erkrankung ein besonderes Augenmerk gewidmet. In „Jung. Schön. Krebs.“ erzählen Antje, Alex & Alex über ihre Operationsmethoden und wie sie damit zufrieden sind. In den Audio-Beiträgen könnt Ihr schon mal in ihre Erfahrungen reinhören:

Antje Z.

Alex Z.

Alex Z.
Bei Alex konnte der Tumor operativ so entfernt werden, dass wenig Veränderung sichtbar ist.

Antje

Antje

Antje
Bei Antje erfolgte ein Brustaufbau mit Eigengewebe.

Alex D.

Alex D.

Alex D.
Alex entschied sich zur Amputation der Brust.

Leukämie – Ein Erfahrungsbericht von Theresa

Leukämie – eine Erkrankung, von der besonders Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betroffen sind. Etwa acht von zehn jungen Patienten sind laut Deutschem Krebsforschungszentrum an einer akuten lymphatischen Leukämie erkrankt. Theresa, die beim Shooting am Starnberger See dabei war, erzählt ihre dramatische Geschichte, die beweist, dass man nie den Mut aufgeben darf:

Theresa

Theresa

„Hallo, mein Name ist Theresa, ich bin 23 Jahre alt und wohne in der Nähe von München. Ich hatte von 2009 bis 2011 akute lymphatische Leukämie (ALL). Angefangen hat alles, als ich im Sommer 2009 wegen eines Infekts zum Arzt ging. Der Infekt war schnell wieder weg, was blieb waren veränderte Blutwerte. Nach einer Untersuchung in der Hämato-Onkologischen Klinik wurde ich ans Klinikum Großhadern verwiesen und nach einer Woche weiterer Untersuchungen stand fest, dass ich Leukämie habe. Was für ein Schock – wie natürlich für jeden Krebspatienten.
Es stand ein Jahr intensive Chemotherapie auf dem Plan. Von Fieberschüben über diverse Operationen, bis hin zu Schweinegrippe und Norovirus habe ich vermutlich in der Chemophase alle Infektionen durchgemacht, die man durchmachen konnte. Nach einem Jahr kam im August 2010 Schock Nummer zwei. Ich hatte noch während der Chemophase einen Rückfall und schon wieder Leukämiezellen im Knochenmark. Jetzt stand fest, dass ich eine Knochenmarktransplantation brauchte, da ich allein durch Chemotherapien nicht mehr geheilt werden konnte! Erst einmal musste aber ein passender Knochenmarkspender für mich gefunden werden. Der Spender sollte möglichst zu 100 Prozent mit meinen Gewebemerkmalen übereinstimmen.
Meine Freundin hat damals eine Typisierungsaktion für mich organisiert, bei der sich über 2.200 Leute aus der Region als potenzielle Spender bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspender-Datei) registriert haben. Für mich wurde 1relativ schnell ein passender Spender gefunden. Die Transplantation und somit die schwerste Zeit meines Lebens konnte nun beginnen. Bei einer Knochenmarktransplantation wird dem Spender aus dem Beckenknochen Knochenmarkblut entnommen und dem Empfänger als Infusion übertragen. Der Empfänger hat dabei keinerlei eigene Zellen mehr, damit er nach der Transplantation rein die Stammzellen des Spenders besitzt. Das bedeutet aber auch für den Empfänger, dass er keinerlei Körperabwehr besitzt und sein Immunsystem und die Zellen auf null sind. Deswegen wird der Transplantationstag auch „Tag null“ genannt. Die ersten eigenen Zellen kommen erst nach circa drei bis vier Wochen zurück. Das bedeutet, dass in dieser Zeit jeder Keim und jedes Bakterium schlimme Folgen für den Patienten haben kann und man muss sich besonders schützen. Jeder Besucher darf nur in klinikeigener Kleidung den Raum betreten, dazu gehören auch Schuhe. Außerdem  benötigen alle einen Mundschutz und eine Haube für die Haare. Mitgebrachte Sachen müssen vor Betreten des Zimmers desinfiziert werden. Für mich hatte es aber noch schwerwiegendere Folgen. Ich war während der ersten drei Wochen kaum ansprechbar. Eine schwere Mundschleimhautentzündung (Mucositis), mein Herz, sowie die Lunge machten mir Probleme. Während der Transplantation wurde ich künstlich ernährt und tat mir später schwer wieder zu essen. In dieser Zeit durfte ich mein Zimmer nicht verlassen. Man kann diese Zeit mit einem Aufenthalt im Gefängnis vergleichen. Nach etwa einem Monat durfte ich endlich auf den Flur der Station. Das war allerdings nicht so einfach war, da ich kaum noch laufen konnte und es erst wieder lernen musste. Irgendwann darf man dann die Station, geschützt durch Mundschutz und Mantel, verlassen. Das ist Freiheit! Nach vier langen Monaten durfte ich nach Hause gehen und ich musste lernen, wieder alle Dinge des Alltags selbstständig zu erledigen. Sechs Wochen ging das so.

Theresa im Sommer 2013

Theresa im Sommer 2013

Dann kam Schock Nummer drei. Ich hatte einen Rückfall, da ich ein Transplantatversagen hatte, d.h. dass ich das Transplantat meines Spenders abgestoßen habe. Ab diesem Zeitpunkt habe ich gar nicht mehr daran geglaubt, dass ich den Krebs noch besiegen könnte. Erst als herauskam, dass meine Mutter als mein nächster Spender genommen werden sollte, um es noch einmal mit einer Knochenmarktransplantation zu versuchen, willigte ich ein. Sie passte nur zu 50 Prozent zu meinen Gewebemerkmalen. Damals dachte ich, dass es wohl noch ein Versuch wert sei, auch wenn ich wieder durch die Hölle gehen musste. Meine Zuversicht, dass ich es überleben würde, war allerdings dahin. Also ging es los mit der zweiten Transplantation. Wie schon zuvor wurde ich künstlich ernährt, da ich mich regelmäßig übergeben musste. Ich konnte zeitweise gar nichts selbständig machen und verbrachte die Tage mit Angst, Frust, Langeweile. Dann wurde ich zweimal wegen eines Pilzherdes im Kopf und einer Entzündung im Fuß operiert. Auch meine Lungenwerte wurden wieder schlechter. Aber das Positive war, dass meine Zellen schneller stiegen als das letzte Mal und ich diesmal nach drei Monaten die Klinik verlassen konnte. Allerdings konnte ich weder essen noch laufen. Ich musste alles wieder mühsam zu Hause lernen. Ich hatte ein halbes Jahr Physiotherapie und es dauerte lange bis es mir wieder den Umständen entsprechen besser ging. Danach fing ich wieder mit der Schule an und werde im Mai 2014 mein Abitur schreiben. Ich gelte jetzt seit knapp drei Jahren als klinisch geheilt.

Es war ein sehr, sehr langer Weg – aber im Nachhinein sehe ich, wie gut es war zu kämpfen. Ich feiere seitdem immer an meinem Transplantationstag im Mai Geburtstag und das jedes Jahr. Anfangs war es noch schwierig, mit der Angst vor einem erneuten Rückfall klar zu kommen. Und das hat auch lange gedauert.  Heute habe ich allerdings gelernt, damit umzugehen und der Alltag lenkt mich von schlechten Gedanken ab. Das bringt die Zeit so mit sich und man muss wirklich geduldig sein. Vor kurzem habe ich meinen ersten Spender kennengelernt, den man nach zwei Jahren treffen darf. Das ist vielleicht ein tolles Gefühl, sag‘ ich euch! Im Allgemeinen sieht man das Leben plötzlich aus einer ganz anderen Perspektive. Es ist lebenswerter geworden und ich freue mich viel mehr über die kleinen Dinge des Lebens als früher. Und das ist gut so. Es ist wirklich wichtig, niemals den Mut zu verlieren und nicht aufzugeben. Auch wenn es oft leichter gesagt ist, als getan.

Theresa, erkrankte mit 18 an ALL

Theresa, erkrankte mit 18 an ALL


Wie kann man helfen?
Jeder gesunde Mensch kann ein potenzieller Stammzellspender werden. Registrieren kann man sich bei den entsprechenden Organisationen und wird dann in die weltweite Datei aufgenommen. Ganz einfach ist die Registrierung zum Beispiel bei der DKMS. Hier könnt ihr euch zuerst registrieren und bekommt dann ein Wattestäbchen zugeschickt. Das schickt ihr mit einer Speichelprobe von euch zurück und seit daraufhin als potenzieller Spender und somit potenzieller Lebensretter registriert. Und das ist wichtig! Denn Krebs kann jeden treffen und je mehr registriert sind, desto höher ist die Chance, dass jeder Leukämiepatient den passenden Spender findet. Und stellt euch vor, es trifft eines Tages euch… ?“

Weitere Links und Blogs

Außerdem findet Ihr hier eine Sammlung von weiterführenden Links und Blogs sowie Hintergrundinformationen aus dem Buch »Jung. Schön. Krebs«.

» Links: Nützliche Links zu ExpertInnen und wichtigen Infoseiten.
» Blogs: Sie werden von Kim, Bianca und Julia geschrieben – drei Frauen, die an Sarkomen erkrankten und im Buch mitgewirkt haben.

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